Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Anwesende,
heute entscheiden wir über den Baubeschluss für das Multifunktionsgebäude in der Paul-Ehrlich-Straße 1 – ein Projekt, das weit mehr ist als nur ein weiteres Bauvorhaben. Wir beschließen heute über einen neuen Ort der Begegnung, einen dringend benötigten Raum für unsere Kinder und Jugendlichen und ein Zuhause für geflüchtete Menschen. Kompliment an das Team des IMF für diese All-in-One-Lösung.
Gleichzeitig sprechen wir über eine Investition von 16 Millionen Euro. Das ist, gerade in Zeiten angespannter Haushalte, eine Summe, die Respekt einflößt und eine sorgfältige Abwägung erfordert. Bereits 1,6 Millionen Euro sind in die Planung geflossen – ein Betrag, der uns verpflichtet, dieses Projekt nun zum bestmöglichen Ergebnis zu führen.
Was wir für 16 Millionen Euro bekommen:
Lassen Sie uns genau betrachten, was geplant ist. Die Vorlage legt uns Zahlen vor, welche auf den ersten Blick überzeugen sollten. Eine Bruttogeschossfläche von 3.328 m² wird ausgewiesen, was bei Baukosten von 14,3 Millionen Euro rund 4.300 Euro pro Quadratmeter ergibt. Doch betrachtet man diese Werte genau, ist das eigentlich nur die halbe Wahrheit. Die entscheidende Kennzahl für uns ist die tatsächlich nutzbare Fläche. Oberirdisch sprechen wir hier von etwa 1.700 m² Wohn- und Nutzfläche – ohne den überdachten Sportplatz und den Dachgarten. Wenn wir die Gesamtkosten von 16 Millionen Euro auf diese 1.700 m² umlegen, ergibt sich ein völlig anderes Bild: Wir landen bei Kosten von über 9.400 Euro pro Quadratmeter. Vergleichen wir das mit den üblichen Kosten im geförderten Wohnungsbau, die bei etwa 5.100 Euro pro Quadratmeter inklusive Planung liegen, wird deutlich: Dieses Projekt ist in seiner jetzigen Form außergewöhnlich teuer.
Wir können und müssen das besser machen:
Bitte verstehen Sie uns nicht falsch: Die Frage ist nicht, ob wir dieses wichtige soziale Projekt realisieren, sondern wie. Wir sollten auch jetzt noch den Mut haben, die vorliegende Planung zu hinterfragen und fortlaufend zu optimieren. Ich sehe hier drei konkrete Ansatzpunkte, um die Kosten zu senken und die Effizienz zu steigern:
- Wenn wir die Flächeneffizienz steigern möchten, ist der geplante Bolzplatz im Erdgeschoss ein Luxus, den wir uns an dieser Stelle eigentlich nicht leisten können. Warum verlegen wir ihn nicht aufs Dach? Wenn uns dieser Bolzplatz, gebunden durch den städtebaulichen Vertrag, so wichtig ist, akzeptieren wir auch ein mögliches Fangnetz. Damit schaffen wir im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss Platz für zusätzliche 300 m² Wohnraum. Das steigert nicht nur die Wirtschaftlichkeit des Gebäudes, sondern schafft auch mehr von dem, was wir am dringendsten brauchen: Wohnungen.
- Lassen Sie uns Alternativen für die Tiefgarage prüfen, welche ein massiver Kostentreiber darstellt. Oberirdische Stellplätze im Erdgeschoss statt Bolzplatz oder die Anwendung des Stellplatzschlüssels auch hinsichtlich der Prüfung einer Notwendigkeit zu der geplanten Nutzung sind beispielsweise günstigere Optionen. Gleichzeitig könnte man vermutlich die komplizierte Verkehrsführung mit dem FR2 auch entspannen.
- Haben wir wirklich auch die kostengünstigeren Alternativen zum geplanten Holzbau geprüft? Gerade bei mehrgeschossigen Bauten kann eine intelligente Hybridbauweise nicht nur nachhaltiger, sondern auch kostengünstiger als die Holz-Massiv-Bauweise sein.
Mein Appell an Sie:
Liebe Kolleginnen und Kollegen, lassen Sie uns heute nicht einfach nur einen teuren Plan abnicken. Lassen Sie uns mit der Zustimmung ein klares Signal an die Verwaltung senden: Wir wollen dieses Multifunktionsgebäude. Wir stehen zu unserer sozialen Verantwortung. Aber wir bestehen auch auf eine wirtschaftlich vernünftige und flächeneffiziente Umsetzung. Lassen Sie uns den Baubeschluss mit dem klaren Auftrag verbinden, die genannten Einsparpotenziale zu prüfen und umzusetzen. So können wir ein Projekt realisieren, das nicht nur sozial wertvoll, sondern auch finanziell verantwortbar ist.
Vielen Dank.



